Gefecht in fünf Gängen

Gefecht in fünf Gängen


„Zitternde Stille. Die Unschuld weißer Servietten. Das fette Leuchten von Lachs.“

Die ehrgeizige Theaterkritikerin Stefanie Krug hat zu einem Abendessen eingeladen und ein Gipfeltreffen der Kulturbranche inszeniert. Alle sind sie da: vom gefeierten Verleger über den geistreichen Kunstkolumnisten bis zur schillernden Kulturmanagerin. Doch der Abend gerät zunehmend aus den Fugen. Im tragikomischen Wechselspiel von Geist und Fleisch taumeln Gäste und Gastgeber zwischen erotischen Verwirrungen und lustvollen Entgleisungen.

 

Rezensionen

Erschienen
1998
ISBN
978-3462026818

REZENSIONEN


In ihrem ersten Roman Gefecht in fünf Gängen  hat Christine Eichel bewiesen, dass sie ein sehr glückliches Faible für die bildungsbourgeoisen Sphären besitzt. Glücklich deshalb, weil sie das dazu gehörige Repertoire und Vokabular ebenso spielend wie spielerisch beherrscht. Treffsicher beschreibt sie ihr milieutypisches Personal auf eine Weise, die amüsant zwischen Porträt und Karikatur changiert.

Süddeutsche Zeitung

Es gibt keinen reinen Punkt, von dem aus zu beobachten wäre, wie sich der Kommunikationsschmutz dekoriert und parfümiert. Wir dürfen nur schauen, riechen und das Gesicht verziehen. Diese Regel eingehalten zu haben ist, neben der geradezu professionellen Pointensicherheit, die größte Leistung von Christine Eichel. Sie hat ihre in die Einheit von Ort, Zeit und Handlung korsettierte Personnage alternativlos schäbig und glamourös ausgestellt: sechs Personen um einen Tisch ein Dienstmädchen in der Küche ein Künstler als Nachzügler der Rest ist Kommunikation: oral, genital und verbal. Und die Erzählerin hüpft von Kopf zu Kopf und guckt mal aus jenen Schießscharten auf dieses Maske gewordene Ressentiment und über diesen Tränensack in jenen Ausschnitt und so weiter, doch nie schlauer, besser, reiner als ihr parasitärer Wirt. Und deshalb beginnen wir nach einigen Seiten auch ihrem deftigen und gescheiten Witz zu trauen, der von einer sicheren Beherrschung aller Phrasen zeugt, der alle Entlarver gleich mit entlarvt.

Die Zeit

Nehmen wir einmal an, wir dürften uns zur Kulturschickeria zählen und wären zu einem kleinen, feinen Diner bei unseresgleichen geladen. Die Tafel im Jugendstilsalon ist für sechs Personen gedeckt; Gastgeberpaar und Gäste repräsentieren die lokale Crème de la crème aus Verlagswesen, Medien, Event-Management und so weiter. Madame hat selbst gekocht. Und was trägt das portugiesische Hausmädchen herein? Entenbrust an Blattsalaten, Lachs auf Lauchjulienne, Lammrücken und Kartoffelgratin, illustrierte Limettenmousse, Mandelhippen mit Schokoladenfondant. Mon Dieu!

Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Gefecht in fünf Gängen“ ist ein satirischer Leckerbissen – ein äußerst vergnügliches Buch, wie ich es unterhaltsamer und kunstvoller in den letzten Jahren kaum einmal gelesen habe. Für einen Abend mit kulturell hochstehenden Persönlichkeiten mutet uns die Autorin schon einiges zu. Allerdings bleibt ihr Stil satirisches Understatement. Sie schreibt entlarvend leicht und doch nie so überdeutlich, dass die Satire als allzu vordergründig oder polternde Beleidigung empfunden werden könnte. Sprachlich ist der Roman eine zu Sarkasmen ausgewachsene Schreiblust, die mindestens so kunstvoll ist wie die Intellektualität ihrer Personen. Vor allem haben die Beschreibungen, was einen guten Satiriker immer auszeichnen sollte, Biss.

Literaturwelt