Die Liebespflicht. Zwischen alten Eltern und kleinen Kindern – Wege aus der Überforderung

Die Liebespflicht. Zwischen alten Eltern und kleinen Kindern – Wege aus der Überforderung


„Wir verändern uns, wenn wir plötzlich gezwungen werden, über das Verhältnis von Liebe und Pflicht nachzudenken. Wenn wir gebraucht werden. Haben wir eine Liebespflicht?“

Familienalarm! Zwischen Sandkasten und Herzschrittmacher: Immer mehr Frauen leben im emotionalen Reizklima zwischen pflegebedürftigen Eltern und Kindererziehung. Eine Zerreißprobe zwischen Pflicht und Gefühl, eine Gratwanderung zwischen Abgrenzung und Annäherung. Die Liebespflicht zeigt Wege aus dem Dilemma der Sandwichgeneration. Ein Plädoyer für eine neue Familienkultur jenseits von Schuldgefühl und Hilflosigkeit, für eine lebensbejahende Balance von Liebe und Verantwortung.

 

Rezensionen

Erschienen
2007
Seitenzahl
250
ISBN
978-3866121102

REZENSIONEN


Was passiert, wenn die Eltern pflegebedürftig werden? Wenn neben die Sorge um die Kinder die um den Vater tritt? In all den Krippen-Debatten und Kindergeld-Diskussionen ist dieser Teil der demografischen Katastrophe völlig ausgeblendet: Wir konzentrieren uns auf den Mangel an Kindern und vergessen die Mehrheit der Alten. Christine Eichels Buch „Die Liebespflicht“ kommt da als klarer, als freundlicher, auch als sehr persönlicher Einwurf. Er beginnt mit dem Satz „Die Hand auf der Bettdecke“. Es ist nicht die Hand des Kindes, um die es da geht, sondern die Hand des Vaters, und sie ist Anlass für eine in die Tiefe gehende Meditation über Jugend und Alter und die Verantwortungen, die übernommen werden müssen. Verantwortungen, die oft an Überforderungen grenzen, denn es sind meistens berufstätige Frauen, die auch diese Arbeit noch übernehmen. Christine Eichel, die wunderbar aus dem riesigen Pfarrershaus erzählt, in dem sie aufgewachsen ist, die später als Regisseurin, Romanautorin, Wissenschaftlerin reüssiert hat, bejaht die „Liebespflicht“, die, in allen Schattierungen, durchaus auch als christliche Pflicht vorgestellt wird. Das Buch endet in einer sehr persönlichen Erfahrung der Sterbebegleitung – wer über die Gesellschaft von morgen mitreden will und die Zukunft all unserer Baby-Boomer-Haushalte, muss dieses Buch gelesen haben. Es ist, neben allem anderen, durchaus ein Buch, das Mut macht.

DER SPIEGEL

Christine Eichel hat über die „Liebespflicht“ ein bewegendes, sehr persönliches Buch geschrieben. Ausgangspunkt ist die Alzheimer-Diagnose bei ihrem Vater, ist ein Telefonat, bei dem dieser Vater, eine beeindruckende Pastoren-Gestalt, in perfekten Formulierungen Unsinn redet. In diesem Moment ist Christine Eichels Kindheit vorbei. Für Kindheit hat sie eine einfache Definition: Es ist die Zeit, in der sich die Eltern mehr Sorgen um die Kinder machen als umgekehrt. Die Kindheit kann also lange dauern. Eigentlich endet sie erst, wenn der Tod bei den Eltern schon angeklopft hat.

Christine Eichel hat sich im Bekanntenkreis umgehört und Familiengeschichten erzählen lassen. Oft sind es Geschichten von heilloser (Selbst-)Überforderung und Verzweiflung, oft aber auch von neuer Selbstfindung. Ihr Buch ist der Ratgeber-Literatur ein wenig näher als das Eberhard Rathgebs. Doch liegt auch seine Stärke im Literarischen und wieder in der Verknüpfung von Realismus und Romantik. Das Siechtum der Eltern lässt den Erinnerungsbrunnen sprudeln. Darin liegt der einzige Sinn dieser Erfahrung. Die neuen Ufer, die noch zu erreichen sind, liegen innen, nicht draußen, und es sind meistens die alten, die man nur mit neuen Augen sieht. Christine Eichel, die über Adorno promoviert hat, entdeckt bei ihrer Selbstinspektion einen reichen Schatz an Ritualen, Liedern, Geschichten, Redensarten, die ihre Pfarrhaus-Kindheit im Rhythmus des Kirchenjahres begleiteten. Das erweist sich jetzt als kulturelle Überlebensration. Das Leid ist nur begrenzt zu lindern. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man es als Störfall oder als Teil des Lebenszyklus betrachtet.

Die Welt

Ein leidenschaftliches und sehr persönliches Plädoyer für eine neue Familienkultur.
Was passiert, wenn die Eltern alt und pflegebedürftig werden, wenn man Fürsorge für sie übernehmen und oft gleichzeitig noch für die eigenen Kinder sorgen muss? Haben wir eine Liebespflicht? Einfühlsam und realistisch schildert Christine Eichel die Situation aus eigenem Erleben und zeigt Wege aus der Überforderung. Ein ehrliches und empathisches Buch, tröstlich und zugleich Mut machend.

bücher.de

Spätestens nach der Lektüre von Christine Eichels Buch, die Liebespflicht, wird auch noch Unbetroffenen klar, was es bedeutet von einem Tag auf den anderen pflegebedürftige Eltern zu haben. Der Titel ist so gut gewählt, wie sich der Inhalt streng an diesen hält. Es geht um die ganz persönliche und familiäre Situation der Betroffenen. Christine Eichel schildert die Berge von Problemen, die damit zusammenhängen und zieht dafür Beispiele aus verschiedenen Familien aus ihrem Freundes- und Bekantenkreis heran. Sie lässt den Leser nicht im Zweifel darüber, dass vor allem die Töchter die erste Adresse für die schwierige, zeitgleiche Erfüllung von Ansprüchen ihrer Kinder und Eltern sind.  Die Liebespflicht wird vielen helfen, die in der akuten Situation Trost, aber auch Anregungen zum Nachdenken und Handeln suchen, und denen, die schon jahrelang pflegen, die am Rand zum Burn-Out entlang hangeln und nicht mehr weiterwissen und auch denen, die am Anfang und kurz vor dem Eintreten einer Pflegesituation stehen. Es entwirrt das anfängliche Chaos, zeigt verschiedene Möglichkeiten und Wege aus der (eigenen) Hilflosigkeit auf. Es verschweigt keineswegs, dass es anstrengend wird und wird nicht müde zu wiederholen, dass es keinen allgemeingültigen Weg für alle gibt. Vor allem ermuntert es dazu, die Einbahnstraße des Verdrängens zu verlassen, sondern sich einzulassen, mit der individuellen Pflege-Situation sowie sich auch der eigenen Gefühle zu stellen, so dass die Arbeit, die mit der Liebespflicht verbunden ist, als solche vielleicht nicht immer leichter wird, aber Konflikte geklärt, Situationen übersichtlicher und für alle erträglicher werden können.

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