Der Salon

Der Salon


Schutzlos wie nasse Welpen saßen sie da. Sie warteten. Auf die Verwandlung, auf die Erlösung, auf die Lautlosigkeit, mit der Haare zu Boden fielen wie Neuschnee am Heiligabend.

Julian ist der Star mit den Scherenhänden: ein gefeierter Promi-Friseur, der die Kunst des kreativen Stylings ebenso beherrscht wie den glanzvollen Auftritt. Der begabte Junge aus der bayerischen Provinz avanciert zum gewitzten Partylöwen und Maire de plaisir der Spaßgesellschaft. Er jettet zu illustren Events, wird hofiert und umschmeichelt. Als er Alexa, eine unkonventionelle Fürstin, zum schrillen Edelpunk hochsprayt, scheint ihm ein Logenplatz in der guten Gesellschaft sicher zu sein. Seine Karriere ist perfekt, und davon wollen auch andere profitieren. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Man munkelt von Drogen, von erotischen Eskapaden, und dieselbe Klatschpresse, die ihn hochschrieb, lässt ihn gnadenlos fallen. Eine Hetzkampagne setzt ein, die ihn fast das Leben kostet.  Mit „Erzähl mir alles“ und „Es war einmal“ erschienen zwei Folgebände um Friseur Julian.

 

Rezensionen

Erschienen
2002
Seitenzahl
318
ISBN
9783455017403

REZENSIONEN


Ein Buch, das unter keiner Trockenhaube fehlen sollte. Ihr Roman „Der Salon” sei „eine Art Oberammergau unserer Tage”, sagten Friseur Gerhard Meir und Schriftstellerin Christine Eichel dem Stern. Wenn man das richtig weiterdenkt, dann wäre ja, wo doch Oberammergau immerhin eine Art Jerusalem unserer Tage ist, der Held des genannten Romans nichts Geringeres als eine Art Jesus Christus unserer Tage – da bleibt einem, bei allem Respekt vor Friseuren im Allgemeinen und „Figaro” Meir im Besonderen, denn doch kurz die Luft weg. Andererseits wären nach diesem Muster diejenigen, die im Roman den Helden zuerst hochjubeln und danach in Grund und Boden schreiben, der Jerusalemer Pöbel unserer Tage, und das wiederum scheint auf eine gewisse Sorte Presse gar nicht übel zu passen.
Nach Handke, Grass und Houellebecq jetzt also Meir/Eichel: „Der Salon”. Dieses Buch zwingt zum Umdenken, und das umso dringlicher, als Julian vulgo Meir nicht nur Leidender ist, sondern auch, zusammen mit der promovierten Philosophin Eichel, sein eigener Evangelist. Wem das Genre Passion zu mächtig ist für die Leiden des mitteljungen Friseurs, der kann den „Salon” auch als einen Bildungsroman auffassen, denn um Läuterung geht es darin allemal: per aspera ad astra oder, etwas milieugerechter formuliert, heute bis Oberkante Unterlippe in der Scheiße und morgen wieder in der Society-Kolumne.

Süddeutsche Zeitung

In zehntausend Meter Höhe kritzelte Gerhard Meir zum ersten Mal etwas in sein Notizbuch, auf dem Heimflug von einer Hochzeit in Dubai. Eine deutsche Industriellenfamilie hatte in der Wüste Hollywood gespielt und Meir zum Föhnen gebeten. „Ich wurde dort mit so viel Pracht konfrontiert, dass ich mich kneifen musste und mir dachte: Gerhard, das musst du jetzt mal aufschreiben, für später.“

Das „später“ kam bald, als er die Schriftstellerin Christine Eichel kennen lernte. Sie hatte in seinem Münchner Salon aus ihren Büchern „Gefecht in fünf Gängen“ und „Schwindel“ gelesen, und nach einem Drink an der Bar war klar, dass es Freundschaft fürs Leben sein würde zwischen den beiden; und dass sie diese mit einem gemeinsamen Werk krönen würden. „Er hat einen fast Flaubertschen Blick für die Vexierspiele der gesellschaftlichen Mikrokosmen“, sagt die promovierte Philosophin Eichel. „Ich suche immer nach der Schlagader“, sagt Meir. Das Buch sollte von einem Friseur handeln, wovon sonst. Auf Waldspaziergängen und nachts am Telefon erzählte Meir der Schriftstellerin aus seinem Leben. Von Kundinnen, die ihren Schmuck vorm Haarewaschen behutsam in kleine Stofftaschen einwickeln, und davon, wie er als Zweijähriger fast von einem Zug überrollt worden wäre. Er erzählte von exklusiven Partys, über die nicht mal die „Bunte“ Bescheid wusste und auf denen die Chauffeure ihr eigenes Buffet bekommen, er erzählte von Cindy, Claudia, Naomi und, natürlich, von Gloria, der Fürstin von Thurn und Taxis.

Kultur Spiegel

Noch nicht ganz so erfolgreich wie der neue Grass (schon in der achten Auflage) doch immerhin: Kaum erschienen ist die erste Auflage des (Schlüssel?)-Romans “DER SALON” von Starfigaro Gerhard Meir und Christine Eichel schon weg, die zweite Auflage unterwegs. Dabei ist die “offizielle” Präsentation des Buches erst heute Abend in der HoCa-Heinrich Heine- Villa, für die rund 180 Gäste aus FILM FUNK FERNSEHEN und Presse erwartet werden. Das ist für die HoCa-PR-Truppe bislang der größte Medienerfolg nach Stephen Hawking. Aber schon jetzt ist das Presseecho gewaltig: WAMS-Story am letzten Sonntag, fünf Seiten im “KulturSPIEGEL” im Februar, sechs Seiten in der BUNTEN dieser Woche. Und das ist erst der Anfang: GALA, FOCUS, BILD, DIE WOCHE und natürlichen die einschlägigen Fernseh-Sendungen rund um Trend-Leute kommen erst noch. Denn schon jetzt ganz klar: Wo immer ein Talkshow – Sofa steht, da wird DER SALON durchgehechelt werden.

Buchmarkt

Es geht um Aufstieg und Fall des Friseurs Julian, der in der Münchner Society verkehrt, in die er sich durch seine Arbeit am Kopf einer schrillen Fürstin, im Roman heißt sie Alexa, den Zugang erfönt, ersprayt und erfärbt hat. Klingeling? Treue Leser von „Gala“ und „Bunte“ werden bei allen Charakteren sofort wissen, von wem die Rede ist. Und doch ist das Ganze unterhaltsam, oder gerade deshalb. Zwar haben einige beklagt, die Tarnung sei gar zu dürftig. Aber das waren bestimmt nur die Enttäuschten, die nicht drin vorkommen wg. zu unwichtig. „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Ich sehe, wie Du gemeint bist“: Nach dieser Zauberformel hat Julian sie alle im Griff, vor allem die Klatschkolumnistinnen. Sie sind ihm ergeben. Er ist eine Art Gott. Seine Kundinnen büßen bitterlich, wenn sie fremdgegangen sind und sich bei einem anderen die Haare haben machen lassen. Das sind ja alles Stümper. Wir lernen: Die gekonnte Indiskretion ist eine Kunst. Im Buch stürzt Julian aus großer Höhe böse ab. Das Buch seines Alter Ego Meir geht gerade in die vierte Auflage.

Tagesspiegel

Es geht um Sex, um Kokain und Korruption, Erpresser-Videos und Medienmafia: Prominenten-Friseur Gerhard Meir hat gemeinsam mit Christine Eichel einen neuen Roman geschrieben. Unter dem Titel „Erzähl mir alles!“ ist er ab heute im Handel zu haben. Im Mittelpunkt der rasanten Story steht, schon wie im Vorgängerband des Autoren-Duos „Der Salon“, der schwule Schicki-Micki-Friseur Julian. In dem Klatsch-Roman wird gnadenlos mit der Berliner Gesellschaft abgerechnet. Sowohl der FDP-Politiker Jürgen Möllemann als auch TV-Moderator Michel Friedman sind in den Figuren des gelungenen Thrillers zwischen Shampoo und Schampus zu erkennen.

Überhaupt sind die Orte und Protagonisten des Geschehens nur notdürftig verfremdet. Die „Bar Francais“ ist leicht als der Berliner Szene-Treff  „Paris Bar“ zu erkennen, und Meirs Berliner Konkurrent, Star-Friseur Udo Walz, taucht im Buch als Bodo Lansky auf. Auch der Berliner Presseball mit seinen Gästen wird zielsicher und äußerst unterhaltsam aufs Korn genommen. Die Ladys der Society bekommen genauso ihr Fett weg wie die Glamourgirls mit ihren zahllosen Schönheitsoperationen oder die Medienmacher. In „Erzähl mir alles!“ wird Julian schuldlos in ein böses Komplott verwickelt. Nach kurzem Knockout zieht der pfiffige Coiffeur zum Kampf auf das politische Parkett und setzt gemeinsam mit seinem Freund Benedikt ein hoch brisantes Ränkespiel mit furiosem Finale in Gang. Dem Buch wurden schon vorab viel Witz und buchstäblich haarige Einfälle attestiert. Kein Wunder, Meir kann schließlich reichlich aus einem Fundus von mehr als 25 Jahren als Figaro und Liebling der Gesellschaft schöpfen.

Die Welt

In „Erzähl mir alles!“ fehlt eindeutig das milde Shampoo auf dem Brennglas, das Promi-Friseur Julian, Meirs Alter Ego, auf die Maschinerie richtet, die eine Gesellschaft der Spaßverpflichteten am Laufen erhält. Das Entschüsseln der wahren Identitäten aller handelnder Personen ist zudem eine nette neue Form des Sommerkreuzworträtsels: Es treten auf Frontschweine aus Medien, Politik, Wirtschaft – meist männlich, selten sympathisch, fast alle korrupt; wie im wahren Leben. Ausnahme: der schnuckelige Benedikt, ein junger Musiker und Lebensgefährte des Haarkünstlers, der auf Politiker lernt.

All die Gerüchte und Groupies, die in Ermangelung echter Ereignisse durch die Hauptstadt wabern, verwurstet das Autorenpaar gnadenlos zur einer Geschichte, die in Ton und Aktion zwischen Boulette und Soufflé schwankt. Dazu würzen sie kräftig nach mit all dem, was wir richtigen Journalisten natürlich wirklich wissen, all dem, was zwar echt wahr ist, wir aber leider nicht schreiben können, weil uns sonst humorlose Juristen in die Laptops spucken dürften. Eichel und Meir erzählen uns alles, was wir wissen, was wir zu wissen glaubten, immer schon wissen wollten oder zumindest gerne mal geahnt hätten.

Stern.de